Februar 12

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Wir bauen eine Absetzkabine für den Pickup

Von Mike

Februar 12, 2021


Es war im Jahr 2010 als wir mit unserem Jeep Wrangler Unlimited die Ionischen Inseln in Griechenland erkundeten. Die Insel Lefkada hat es uns damals besonders angetan, nicht nur, weil man relativ einfach dorthin gelangte – vom Festland ist die Insel nur durch einen Kanal getrennt – zum Übersetzen wurde eine ausrangierte Fähre eingesetzt über die man auf die Insel gelangte. Nach einigem Suchen fanden wir auch einen wunderschön gelegenen Campingplatz auf einer Landzunge an der Südküste. Ganz einfach von der Ausstattung – so wie wir es lieben. Wunderschön gelegen und über eine Schotterpiste zu erreichen.

Nachdem wir unser Zelt aufgeschlagen und uns gemütlich eingerichtet hatten kamen damals 3 Pickups mit Absetzkabinen auf den Platz und suchten sich auch eine schöne Ecke. Dort stellten sie die Kabinen in einer Art Wagenburg auf. Am nächsten Tag verschwanden sie mit ihren Pickups und den Mountainbikes auf den Ladeflächen…damals dachte ich mir, daß ich das auch mal gerne hätte…allerdings wollte ich mich damals nicht von meinem Jeep trennen.

Jahre später wurde dann ein Jeep Gladiator mit Ladefläche angekündigt – leider wird dieser bis heute noch nicht direkt von Jeep Europa angeboten. Daher schaffte ich mir einen Ranger an….das war der erste Schritt zu meinem Projekt.

Das Fahrzeug

Für das Tragen einer Wohnkabine ist natürlich ein Pickup unabdingbar. In Europa sind in der Hauptsache Midsize-Pickups gängig. Die großen Pickups aus Amerika sind in Europa aufgrund ihrer Abmessungen auch nur eingeschränkt nutzbar.

Die sogenannten Midsize-Pickups gibt es von verschiedenen Herstellern, teilweise aber mehr oder weniger baugleich. Die Abmessungen sind alle sehr ähnlich. Ich habe mich für einen Ranger von Ford entschieden – unter anderem, weil hier am Ort ein Ford-Händler ansässig ist und der Ranger ein weit verbreitetes, ausgereiftes Fahrzeug ist.

Ford mit Wohnkabine

Ab und zu fährt die Familie mit und so habe ich eine Doppelkabine gewählt. Genügend Platz für 5 Personen und Gepäck, allerdings keine sehr lange Ladefläche für die Wohnkabine. Für Leute, die in der Regel nur zu zweit unterwegs sind, macht in jedem Fall eine Kingcab Sinn. Hier ist die Kabine durch die beiden Notsitze in der 2.Reihe kürzer und so fällt die Ladefläche länger aus.

Mein Ranger nennt sich Wildtrak und ist aus dem Jahr 2019, ausgestattet mit allem was das Herz begehrt, mit einer Standheizung und dem neuen 2.0 Biturbo – Motor. 213 PS und 500 Nm. Genug Kraft also, um die Wohnkabine auch zu bewegen. Allerdings mit einem Nachteil: Das Auto mit Vollausstattung ist schwer und so bleibt nur eine Nutzlast von 889 Kg. Bei einem einfach ausgestatteten Ranger bleibt oft über 1000 Kg Nutzlast übrig.

Anforderungen an das Fahrzeug

Um die Lastverteilung des Fahrzeugs und das Gesamtgewicht eindeutig zu definieren, fahre ich zu einer Werkstatt, die eine hierfür geeignete Waage hat. Hier kann man die vordere und hintere Achslast messen. Das Fahrzeug ist vollgetankt und wird mit einem 80 Kg schweren Fahrer gemessen. Vordere Achse: 1328 Kg, hintere Achse: 1133 Kg, also zusammen 2461 Kg. Auf die Vorderachse darf maximal 1480 Kg Gewicht, hinten maximal 1850 Kg. Zulässiges Gesamtgewicht 3270 Kg, also 809 Kg Nutzlast + 80 Kg Fahrer.

Um einen Puffer bei der Beladung durch eine Wohnkabine zu haben, ist eine Auflastung auf 3500 Kg sinnvoll. Hierfür muß die Federung modifiziert werden und es kommen andere Räder mit entsprechender Traglast zum Einsatz. Damit wäre alles zur Aufnahme einer Kabine im Hinblick auf das Gewicht geklärt.

Nun muß Ladung aber natürlich auch entspechend gesichert werden – wir wollen das gute Stück ja nicht verlieren. Die beim Ranger standardmäßig vorhandenen Bügel auf der Ladefläche sind für eine Fixierung nicht ausreichend stabil, auch die verstellbaren Laschen beim Wildtrak nicht. Daher müssen am Laderaumboden Bohrungen vorgenommen werden, die eine Montage von längeren M12 – Schrauben ermöglichen. Diese ersetzen die vorhandenen Schrauben, die die Ladefläche mit dem Leiterrahmen verbinden.

Auf der Ladefläche werden dann Ringmuttern M12 aufgeschraubt – die spätere Verbindung zur Kabine. Bei meinem Ranger habe ich so im hinteren Bereich der Ladefläche 4 Befestigungspunkte geschaffen. Die vorderen Befestigungspunkte werden normalerweise für den Überrollbügel hinter der Fahrzeugkabine genutzt. Im Fall des Wildtrak sitzt hier ein Bügel aus Kunststoff, der direkt mit dem Abdeckrollo verbunden ist.

Diesen Aufbau möchte ich für die Montage der Wohnkabine nicht entfernen. Hier sind die Befestigungspunkte nicht genutzt und können also für die Befestigung der Kabine verwendet werden. Allerdings ist das Verzurren nicht direkt möglich, da vor den entsprechenden Punkten der Kasten für den Abdeckrollo sitzt. Eine Hilfskonstruktion mit zwei Lochplatten und einem aufgeschweißten Rohr ermöglicht die Fixierung ohne den Rollo zu demontieren.

Auch die Heckklappe kann montiert bleiben, wenn man keine Angst vor Steinschlag hat.

Um zwischen dem späteren Alkoven der Kabine und der Fahrzeugkabine keinen Kontakt zu haben, montiere ich eine kürzere Radioantenne.

Konstruktion der Wohnkabine

Wie bereits erwähnt, möchte ich den Überrollbügel mit dem Abdeckrollo für das Aufsetzen der Wohnkabine nicht entfernen. Meines Wissens ist das bei allen bisher angebotenen Kabinen so. Mir ist das für jeden Einsatz der Kabine zu umständlich. Den Abdeckrollo benötige ich für den täglichen Einsatz ohne Wohnkabine.

Leichte Rahmenkostruktion

Eine leichte Rahmenkonstruktion aus Aluminium soll die Basis für die Kabine sein, beplankt mit Aluverbundplatten. Nach einer ausführlichen Recherche erscheint mir das Schweißen des Rahmens als zu aufwändig, da alle Schweißnähte per Ultraschall geprüft werden sollten. Hier gibt es aber eine sehr gute Alternative: Aluminium – Systemprofile in verschiedenen Dimensionen mit einer Vielzahl von Verbinderelementen. Den Rahmen konstruiere ich mit einem 3D – Programm und ermittle so die benötigten Teile.

Der Rahmen wird so konstruiert, daß der Überrollbügel und das Abdeckrollo „ausgespart“ werden, aber dennoch das Kippmoment beim Abstellen ohne Pickup durch eine nach vorne laufende Zunge abgefangen wird. Natürlich verliert man hier etwas Platz im Innenraum. Allerdings bietet sich dadurch ganz klar ein Längsschläferbett in Fahrtrichtung an.

Um dennoch genug Platz im Innenraum zu generieren und einen seitlichen Einstieg zu ermöglichen, läuft die Kabine bis knapp über die geöffnete Heckklappe. Die Fahrzeuglänge beträgt dann knapp 6 Meter. Am Heck kann ein Träger für Fahrräder herausgezogen werden, hier sind auch die Heckleuchten befestigt, die über die Anhängersteckdose gespeist werden.

Die Ausführung der Hülle

Nachdem der Rahmen aus den 40 mm Systemprofilen probeweise aufgesetzt wird und auch auf Anhieb passt, lege ich die Flächen aus Aluverbundplatten in einem Grafikprogramm an – gleich mit den Ausschnitten für Fenster und Dachluken. Diese Konturen sind schnell ausgefräst und passen auf Anhieb auf den Rahmen.

Die Schrauben an den Verbindern für die Profile fixiere ich mit einem Schraubenkleber. Dann werden die Aluverbundplatten mit Karosseriekleber auf dem Rahmen fixiert. In den Ausfachungen isoliere ich mit 40 mm starken Hartschaumplatten. Die Profile werden mit Armaflexband isoliert. Innen an den Wänden kommt Pappelsperrholz in verschiedenen Stärken zum Einsatz, lasiert.

Platten

Die Decke wird beplankt mit Kiefersperrholz wegen der intensiven Maserung. Die Tür baue ich selbst mit den Materialien der Wände, die Fenster von Carbest sind aus getöntem Echtglas, die Dachluken von Fiamma sind ebenfalls leicht getönt.

Komplett montierte Wohnkabine

Fortsetzung folgt …

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